Weshalb haben Angehörige Schuldgefühle?

Angehörige berichten darüber

„Sie versteht oft die einfachsten und lapidarsten Dinge nicht. Und wenn ich es ihr schon mehrere Male erklärt habe, und sie versteht immer noch nicht bringt mich das manchmal in Harnisch! Dann platzt mir der Kragen – gleich darauf habe ich Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen! Sie hat ihr Leben lang so vieles für mich getan, und ich meckere an ihr herum, obwohl sie doch krank ist!“

„Ich habe Schuldgefühle gegenüber meiner Mutter, weil sie mir bisweilen auf die Nerven geht. Immer dieses Wiederholen derselben Geschichten! Auf der anderen Seite weiß ich seit einem Jahr, dass es nichts Willentliches ist – sie ist ja krank! Und trotzdem schaffe ich es nicht immer und explodiere und schimpfe sie. Sofort denke ich: Das war nicht gut! Ich frage mich dann, wie ich überhaupt in der Lage sein kann, jemanden, der nicht mehr fähig ist etwas zuzuordnen, dafür zu schimpfen!“

Ein Angehöriger sagt folgendes: „Das größte Problem ist für mich, dass ich mich so machtlos fühle. Ich kann ihr nicht helfen. Sie steht oft nur da, sieht sich hilfesuchend um, aber ich weiß nicht, wie ich ihr helfen kann. Dieses Schuldbewusstsein, dass ich ihr nicht helfen kann ist wirklich schlimm für mich!“

Angehörig fühlen sich oft auch schuldig

In der Psychoanalyse unterscheidet z.B. der Autor Mathias Hirsch zwischen realer Schuld und einem unrealistischen, irrationalen Schuldgefühl. Bei der realen Schuld lädt ein Mensch durch ein wirkliches Vergehen bzw. ein sträfliches Unterlassen Schuld auf sich.

Das unrealistische, irrationale Schuldgefühl empfinden oder quält Angehörige, obwohl sie sich keiner echten Schuld und keines Vergehens bewusst sind. Die Wurzel dieses Schuldgefühls kann man darauf zurückführen, dass Angehörige hilflos und ohnmächtig mitansehen müssen, dass ein ihm nahestehender Mensch eine lebensbegrenzende Krankheit hat. Man nennt dieses Gefühl auch Überlebensschuld.

Schuldgefühle entstehen auch, wenn ich als Angehöriger etwas tue, was nicht meinen eigenen Vorstellungen und Idealen entspricht.

 

Quellen und Literaturverzeichnis:

Engel S. (2006) Alzheimer und Demenz – Unterstützung für Angehörige. Stuttgart: TRIAS

Engel S. (2007) Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen. Berlin

weitere Veröffentlichungen