Was hat Trauer mit Angehörigen von Menschen mit Demenz zu tun?

Angehörige berichten darüber wie:

              In Gedanken

„Die Krankheit hat meine Mutter sehr verändert. Ich verliere sie langsam. Sie ist schon gar nicht mehr die, die sie einmal war. Wie sie jetzt da sitzt, so hilfsbedürftig. Manchmal sitze ich neben ihr und spüre eine starke Sehnsucht nach meiner Mutter- Sie ist da und nicht da. Sie sitzt neben mir und trotzdem vermisse ich sie!“

Die Frau sagt: „Ihr Mann war früher ein positiv eingestellter, aktiver Mann gewesen. Sie hatten noch viele Pläne für ihre gemeinsame Zeit im Ruhestand. Doch durch seine frühe Demenzerkrankung hat er sich sehr verändert. Er kann viele Dinge nicht mehr, ist ängstlich geworden, möchte nur noch zu Hause bleiben und zieht sich immer mehr von Menschen zurück. Jetzt, da auch ich in Rente bin, muss ich mich von meinen Zukunftsplänen verabschieden. Ich habe einen Mann daheim, mit dem ich nichts unternehmen kann. Ich brauche wohl noch lange Zeit, bis ich mich damit abgefunden habe.“

Angehörig fühlen Trauer

Unter Trauer versteht man die psychische Reaktion auf einen empfundenen Verlust, die sich nicht nur auf traurige Gefühle erstrecken, sondern auch auf eine Vielzahl von körperlichen Beschwerden und andere Störungen.

Erfahrungen aus der Arbeit der Angehörigenarbeit zeigen, dass die meisten Angehörigen ihrer Trauer nicht bewusst sind. Sie bringen ihre Symptome nicht in Verbindung mit den vielen Verlusten und kleinen Abschieden, die sie täglich erleben.  In der Psychologie spricht man von einer „maskierten Trauer“.

Die Trauer, die Angehörige von demenzkranken Menschen durchleben ist auch erschwert, da es sich bei der Demenzerkrankung eines Familienmitglieds meist um einen lang andauernden schleichenden und „verdeckten“ Verlust handelt. Von diesem „früheren“ gesunden Menschen muss ich mich als Angehöriger langsam immer ein bisschen mehr verabschieden.

In der Fachliteratur wird dieses Erleben als „Abschied auf Raten“ oder „partielle Trauer“ bezeichnet.

 

Quellen und Literaturverzeichnis:

Engel S. (2006) Alzheimer und Demenz – Unterstützung für Angehörige. Stuttgart: TRIAS

Engel S. (2007) Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen. Berlin

Schwabe A., Wendel C. (2010) Diemension des Verlusterlebens pflegender Angehöriger von Alzheimer-Demenzkranken Menschen – 11.Naturwissenschaftlerkonferenz / Hochschule Magdeburg-Stendal(FH), Fachbereich Angewandte Humanwissenschaften, Studiengang Rehabilitationspsychologie, M.Sc.

 

weitere Veröffentlichungen