Im Rahmen der Entwicklung von Edukation®Demenz wurden verschiedene Studien in Form von Interviews von pflegenden Angehörigen erhoben. Diese Studien werden und wurden wiederholt evaluiert und auf Wirksamkeit überprüft.

Aus diesen Studien wurden mehrfache Belastungen von pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz erhoben und beschrieben:

  • Angehörige fühlen sich allein gelassen
  • Angehörig fühlen sich belastet
  • Angehörig fühlen Trauer
  •  Angehörig fühlen sich oft auch schuldig

 

Angehörige fühlen sich allein gelassen

Angehörige fühlen sich zunehmend alleine gelassen, isoliert und unverstanden. Sie haben niemanden (mehr), dem sie sich mitteilen können, der ihre Wahrnehmungen bestätigt und Verständnis für sie hat. Das Gefühl des Alleine-gelassen-Seins hat viele Facetten.

Ein Grund kann die eingeschränkte Kommunikation mit dem demenzkranken Angehörigen sein. Der Demenzkranke vergisst vor kurzem erlebtes schnell wieder. Eine Unterhaltung ist daher nicht mehr möglich. Damit geht der Ansprechpartner verloren.

Andererseits kann eine Ehefrau darunter leiden und bei ihr Wut auslösen, dass ihr an Demenz erkrankter Mann sich nicht mehr an der Organisation des gemeinsamen Alltags beteiligen kann. Sie ist sich auch darüber bewusst, dass weder sie noch ihr Mann etwas dafür kann.

Ebenfalls kann das Gefühl des Alleine-gelassen-Seins durch die Persönlichkeitsveränderung des Demenzkranken verursacht werden. Der oder die Angehörigen berichten von einem Gefühl von einem schleichenden Verlust des bisher gekannten Mannes, der Mutter, des Vaters, …

Weiter berichten Angehörige, dass Freunde, Bekannte, Nachbarn oder andere Familienangehörige sich viel seltener bei ihnen melden oder zu Besuch kommen als früher. Kurze Besuche von außenstehenden Personen stellen oft eine zusätzliche Belastung dar. Diese erleben den Demenzkranken oft nur in besonderen Situationen, in denen es ihm noch möglich ist, alle seine noch vorhandenen geistigen Kräfte und Ressourcen zu mobilisieren, um sich von seiner besten Seite zu zeigen. Er präsentiert sich mit Tätigkeiten, die er noch kann. Die Besucher ziehen aus diesem Erleben seiner verbliebenen Kompetenzen die Schlussfolgerung, dass er/ sie doch gar nicht so beeinträchtigt sein könne, wie Angehörige dies schildern. Sie meinen der Angehörige übertreibe.

Alleine

Angehörig fühlen sich belastet

Die moderne Angehörigenforschung geht mittlerweile davon aus, dass Angehörige, die ein Familienmitglied versorgen oder pflegen nicht nur negative Empfindungen mit ihrer Situation verbinden, teilweise auch positive Erfahrungen machen. Trotz möglicher positiver Aspekte berichten Pflegende Angehörige über das Gefühl psychischer und physischer Belastungen, welche dennoch zentral in ihrem Erleben seien.

Diese Belastungen entstehen durch die notwendige Übernahme von Aufgaben, die früher der an Demenz Erkrankte erledigt hat. Diese Aufgaben werden zunehmend mehr. Oft werden neue Erledigungen zu einer Überforderung.

Dazu kommt das Fehlen von Freiräumen aufgrund einer zunehmenden Unselbstständigkeit und Abhängigkeit. Ab einem bestimmten Krankheitsstadium können demenzkranke Menschen nicht mehr alleine gelassen werden.

Ein herausforderndes Verhalten des Demenzkranken belastet Angehörige besonders stark, wenn sie sich durch sie hilflos, beschämt oder gar bedroht fühlen. Ganz besonders hoch ist die Belastung pflegender Angehöriger, wenn beim an Demenz erkrankten Menschen eine Störung des Tag-Nacht-Rhythmus vorhanden ist. Der pflegende Angehörige steht dann rund um die Uhr unter Stress.

 

Quellen und Literaturverzeichnis:

Engel S. (2006) Alzheimer und Demenz – Unterstützung für Angehörige. Stuttgart: TRIAS

Engel S. (2007) Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen. Berlin

 

weitere Veröffentlichungen