Wie erleben Pflegende Angehörige die Situation im Zusammenleben mit ihrem Demenzkranken?

Eine Tochter sagte mir in einem Gespräch folgendes: “Wie die Situation ist, wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt ist, kann nur jemand verstehen, welcher diese Erfahrung selber gemacht hat.”

Diese Aussage hatte mich sehr berührt und machte mich nachdenklich. Durch diese Aussage wurde ich bestärkte zu diesem Thema einen Beitragzu schreiben. Ich möchte Angehörigen damit eine Stimme geben.

Aussagen von pflegenden Angehörigen

„Das Schlimmste ist, dass ich mich andauernd schlecht fühle, egal, was ich tue: Ich habe ihr gegenüber ständig ein schlechtes Gewissen und fühle mich unter Druck – und weiß gar nicht warum!“

„Und wenn sie dann so penetrant ist und wieder so einen Quatsch erzählt, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll! Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll!“

“Am meisten belastet mich, dass er nie zugibt, dass er wieder was falsch gemacht hat.”

“Es wäre für mich alles halb so schlimm, wenn er es zugeben würde, aber er überbrückt es mit Ausreden. Und das regt mich auf!“

-> welche von Prof. Dr. Engel Sabine in ihrer Studie 2007 erhoben wurden.

 

Aussagen von Angehörigen, nachdem sie einen Edukationskurs besucht haben

neue Betrachtung

„Jetzt nach dem Kurs verstehe ich auch die Gefühle meiner Frau und weiß, was eigentlich dahintersteckt, wenn sie etwas sagt oder tut.“

„Durch die Schulung kann ich viel besser nachvollziehen, was bei meinem Mann vor sich geht- ich kann mich besser in ihn hineinversetzen.“

„Nun weiß ich eben, dass das nicht mutwillig ist, sondern deshalb, weil sie krank ist.“

“Der Kurs hat mich verändert, ich bin irgendwie anders. Ich glaube ich habe besser akzeptieren gelernt und seitdem ich das besser kann, geht es mir auch besser.”

“Ich habe mich auch darin bestärkt gesehen, dass ich auch noch lebe und auch darin, dass ich gar nicht so viel verkehrt gemacht habe bis jetzt.”

“Ich weiß jetzt, was meine Rolle ist, was ich tun kann, aber auch wo meine grenzen sind: Was ich eben nicht kann, ist die Krankheit aufhalten. Ich sehe jetzt auch klarer, was der Druck ist, den ich mir selbst gemacht habe, und habe nicht mehr so viele Schuldgefühle.”

“Ich spreche jetzt ganz anders mit meiner Mutter, gehe mehr auf sie und ihre Gefühle ein.”

“Ich erkläre ihr nicht mehr lang und breit Dinge, die sie sowieso nicht mehr versteht – das ist viel nervenschonender und es gibt weniger Stress zwischen uns.”

“Ich habe mir abgewöhnt, sie auf Fehler hinzuweisen und sie zu verbessern. Ich denke mir jetzt: Lass´ sie doch!”

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Engel, S. (2007) Interventionsstudie vor und nach Besuch einer Edukationsschulung

Engel, S. (2007) Gestörte Kommunikation bei Demenz aus Sicht der Angehörigen. In: Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 20(4), 269-276.

Engel, S. (2007) Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen.

Weitere Veröffentlichungen