Ist Edukation-Demenz wirksam?

Angehörige sind bei der Betreuung und Pflege von großer Bedeutung. Endlich werden diese Personen, welche einen Angehörigen pflegen, vermehrt wahrgenommen. Die Pflege und Betreuung eines Angehörigen verändert das Leben, den Tagesrhythmus und Tagesablauf, sowie die zur Verfügung stehende Zeit eines pflegenden Angehörigen.

Ganz besonders einschneidend ist, wenn ein nahe stehender Mensch an Demenz erkrankt und sein Verhalten nicht mehr verstehbar ist. Es können gewohnte Gespräche nicht mehr geführt und Vereinbarungen nicht mehr getroffen werden. So mancher demenzkranker Angehörige kann nicht mehr alleine gelassen werden. Solche einschneidenden Veränderungen führen bei Pflegenden Angehörigen über lange Zeit zu subjektiv empfunden Belastungen.

In mehreren Studien wurden folgende Belastungen erhoben:

* Eine der häufigsten Belastung entsteht durch eine auftretende Kommunikationsstörung, d.h. Verständigungsstörung mit dem Demenzerkrankten.
* Die Einstellung des Angehörigen zum Demenzkranken stellt ebenso einen wesentlichen Punkt dar.
* Die psychische Belastung des pflegenden Angehörigen, welche zu depressiven Symptomen bei ihm führen.

Edukation-Demenz wurde bereits durch Prof. Dr. Sabine Engel durch Studien evaluiert, welche eine positive und langfristige Auswirkungen auf pflegende Angehörige belegen.

Im Jahr 2015 wurde eine wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit von Edukation-Demenz® von der „Zukunftswerkstatt Demenz“ durchgeführt. Dieses Projekt wurde vom deutschen Ministerium für Gesundheit gefördert.  Für die Durchführung der wissenschaftlichen Überprüfung wurde die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (1.05.2012 bis 28.02.2013) und die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (1.03.2013 bis 31.03.2015) Abteilung Paderborn beauftragt und umgesetzt.

ERGEBNIS:

Durch eine Schulung Edukation-Demenz® verringerte sich die Belastung durch

* Kommunikationsstörungen,
* der Einstellung gegenüber dem demenzkranken Familienmitglied,
* der allgemeinen Belastung sowie
* der depressiven Symptome.

Das Ergebnis hat gezeigt, dass eine Schulung Edukation-Demenz auch noch nach einem Jahr wirksam ist. In Deutschland hat diese Untersuchung dazu geführt, dass Pflegekassen solche Schulungen bezahlen und Angehörige von Menschen mit Demenz auf diese Schulungen hinweisen.

Quellen und weiterführende Literatur:

Engel, S. (2007) Gestörte Kommunikation bei Demenz aus Sicht der Angehörigen. In: Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie, 20(4), 269-276.

Engel, S. (2007) Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen.

Engel, S., Reiter-Jaeschke, A. (2015) Überprüfung der Wirksamkeit von „EduKationDemenz”, einem psychoedukativen Schulungsprogramm für Angehörige Demenzerkrankter

Weitere Veröffentlichungen

 

Selbsterleben von Betroffenen in der frühen Krankheitsphase Teil 3

Die Bewältigungsbemühungen,

von denen Demenzkranke berichten, können – vor dem Hintergrund des gesamten Interviewkontextes – in drei Untergruppen aufgegliedert werden.

Das von einigen Demenzkranken geäußerte Bedürfnis, nicht mehr unter Leute zu gehen und die eigenen Veränderungen vor anderen Menschen zu verheimlichen, erfüllt häufig die Aufgabe, negativen Gefühlen aus dem Weg gehen zu wollen. Auch die Tendenz verstärkt Bezug auf die Vergangenheit zu nehmen, als einer Zeit, in der die heutigen Schwierigkeiten noch nicht existierten, die Betonung der eigenen Autonomie, das Verleugnen oder Herunterspielen von Schwierigkeiten bzw. das Bedürfnis, eigene Kompetenzen in den Vordergrund zu stellen, haben meist eine emotionsregulierende Funktion.

Problemorientierte Funktion haben Bewältigungen, durch die der Betroffenen versucht, gegen die Krankheit anzukämpfen. So berichtet eine Interviewpartnerin, dass sie immer wieder versuche ein einfaches Gericht zu kochen, obwohl es ihr jedes Mal aufs Neue nicht gelingt.  Und wenn ihr Mann sie davon abhalten möchte es erneut zu probieren, wird sie ärgerlich: „Dann sagt er immer: ‚Lass das gehen, das mache liebe ich, das ist nicht gut für dich‘. Und den Spruch mag ich überhaupt nicht! Dann werde ich schon sauer und sag‘: ‚ Lass es mich halt wenigstens einmal probieren! Das Päckchen Grieß kostet so und so viel, da werde ich doch wohl mal probieren können!‘ Da hat er nichts mehr gesagt und ich habe halt wieder probiert,“ (Zitat aus Engel, S. 2008)

Meeresgewalt
Beängstigende Wellen

Subjektive Krankheitstheorien erfüllen meist die Funktion eine bedrohliche Situation um zu bewerten.

Hierunter sind die Überzeugungen des Betroffenen bezüglich der Ursache seiner Beeinträchtigungen zu verstehen.

Viele demenzkranke Menschen wenden weder den Begriff „Demenz“ noch Die Bezeichnung „Alzheimer“ auf ihre erlebten Einbußen an, obwohl sie von ihrer Erkrankung wissen. So sagt eine demenzkranke Interviewpartnerin auf die Frage nach der Ursache ihrer Vergesslichkeit: „ Ich hoffe ja immer noch, dass ich das nicht habe.“ Auf die Frage, ob sie mit „das“ „Demenz“ meine, entgegnet sie: „ Also, das Wort spreche ich noch nicht einmal aus!“ Auf die weitere Frage, ob sie ich glaube, dass ihre Vergesslichkeit von eine Krankheit herrühre, wendet sie ein: “Doch, ich glaube es schon – ich will es nur nicht wahrhaben.“ (Zitat aus Engel, S. 2008). Andere Befragte erklären sich die erlebten Störungen mit mangelnder Übung, fortgeschrittenem Alter oder führen sie auf Erkrankungen und Ereignisse zurück, die weniger stigmatisierend sind wie z.B. frühere Krebserkrankungen, Schlaganfälle oder Unfälle.

Literaturverzeichnis

Engel S. (2006) Alzheimer und Demenz – Unterstützung für Angehörige. Stuttgart: TRIAS

Engel S. (2007) Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstöru

ngen. Berlin: LIT

Engel S. (2008) (in Vorbereitung) Kontrollstrategien bei demenzkranken Menschen in einer frühen Krankheitsphase. Unverstress; öffentlichte Interviewstudie am Gedächtnis-Zentrum Erlangen

Harris PB; Sterin GJ.: Insider’s Perspective: defining and Perserving the Self of Dementia. Jornal of Menthal health and Aging 1999; 5(3): 241 – 256

Kessler H, Supprian T.: Zum Problem der Krankheitseinsicht bei Patienten mit Demenz vom Alzheimer-Typ. Fortschr Neurol Psychiat 2003; 71: 541-548.

Lazarus RS, Folkmann S.: Stres, Appaisal, and Coping. New York 1984

Stechl E, Lämmler G; Steinhagen-Thiessen R; Flick U.: Subjektive Wahrnehmung und Bewältigung der Demenz im Frühstadium – SUWADEM. Z Gerontol Geriat 2007; 40: 71 – 80

Moos RH.: Coping: Konzepte und Meßverfahren. Zeitschrift für Psychosomatisc

he Medizin und Psychoanalyse 1988; 34: 207 – 225

Steman E, de Casterle‘ DB, Goderis J, Grypdonck M.: Living with early-stage dementia: a review of qualitative studies. Journal of Advenced Nursing 2006; 54: 722 – 738

Selbsterleben von Betroffenen in der frühen Krankheitsphase Teil 2

Wenige kleinere Interviewstudien haben sich mit diesen Fragen beschäftigt, deren Ergebnisse im Folgenden exemplarisch dargestellt werden(einen Überblick geben Steeman, E.et al.2006).

Viele in der Literatur zu Wort kommenden demenzkranken Interviewpartner berichten von ihrem subjektiven Eindruck, dass etwas mit ihnen nicht stimme. Auf die Fragen nach konkreten Erfahrungen, an denen sie diese Empfindung festmachen, berichten sie von unterschiedlichen Verlusterlebnissen. Sie berichten von Situationen, in denen sie nicht mehr in der Lage sind, einen Gedanken zu Ende zu denken, eine Entscheidung zu treffen, ein Problem zu lösen, einer Unterhaltung zu folgen oder Kontrolle über die Dinge in ihrer Umwelt zu behalten. Auch berichten sie vom Misslingen alltäglichster Handgriffe.

Eine Frau erzählt beispielsweise, dass sie es selber gar nicht fassen kann, wenn sie plötzlich nicht mehr weiß, wie sie ihren Schrank öffnen muss. „Dann denke ich immer, das kann doch überhaupt nicht wahr sein, dass ich vor einem Schrank stehe und nicht mehr weiß, wie der aufgeht. (….).  Dann warte ich, bis ich überlegt habe, (…..) und dann mache ich das, wie Halbblinde das machen, das ich das so anfasse und abtaste…. und meistens geht es dann doch.“ (Zitat aus: Engel S. 2008).

Eine weitere Interviewte schildert, dass es ihr mittlerweile fast unmöglich ist, ihre Zeit so einzuteilen, dass sie pünktlich einen Termin wahrnehmen kann: „…. Das ist eine Katastrophe, wenn ich einen Temin habe. (……) Ich lege mir schon abends die ganzen Sachen zurecht, sodass ich morgens nur noch duschen muss und trotzdem! Ich kann mich nicht richtig konzentrieren! (….) mein Mann sagt: Du brauchst überhaupt nichts zu tun! Nur dich anziehen und fertig sein um die und die Uhrzeit! Und ich kann es einfach nicht! Dann erwische ich mich wieder, dann habe ich etwas gesehen, dass ich das wieder sauber mache, (…..) Ich überlege einfach nicht: Soll ich die Sache liegen lassen? Ich mache es einfach, ich kann gar nicht anders. (…..) Ich denke, dass ich nichts dafür kann – ich war ja früher nicht so, sonst hätte ich nie arbeiten können!“ ( Zitat aus: Engel S., 2008).

Baufällige Brücke
Beziehung als Brücke

Solche subjektiv wahrgenommene Veränderungen lösen bei den Betroffenen meist starke emotionale Reaktionen aus.

In der Literatur werden neben Irritation, Unsicherheit, Traurigkeit und Angst auch Scham, Schuldgefühle und Empfinden der eigenen Wertlosigkeit genannt. Eine demenzkranke Frau antwortet auf die Frage, wie sie sich nach solchen Erlebnissen fühle: „ Ich bin traurig und niedergeschlagen. Denn ich habe überhaupt keine Zukunftsaussichten.“ ( Zitat aus: Engel S., 2008). Harris und Sterin(1999) zitieren eine demenzkranke Interviewpartnerin, die von ihren Erfahrungen und ihren Ängsten spricht: „ Manchmal bin ich ICH, und manchmal weiß ich nicht, wer ich bin. Ich weiß nicht, es kommt und geht, ich weiß es nie. Dann bist du nicht du, du hast jemanden anderen in dir.“ (übersetzt aus dem Englischen , S.E.).

Menschen, die eine derart tiefgreifende Veränderung an sich wahrnehmen, versuchen auf eine je individuelle Art, mit diesen Erfahrungen umzugehen. Ihre Bewältigungsstrategien mögen für Außenstehende dysfunktional und „belastend“ sein – für die Betroffenen selbst haben sie die Funktion, Kontrolle über ich Leben zu behalten und ihren Selbstwert zu schützen.

 

Literaturverzeichnis

Engel S. (2006) Alzheimer und Demenz – Unterstützung für Angehörige. Stuttgart: TRIAS

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Selbsterleben von Betroffenen in der frühen Krankheitsphase Teil 1

zarte Rose
Betrachtung

Dieses Thema beschäftigt mich schon lange Zeit.

Während meiner langjährigen Tätigkeit mit Menschen mit Demenz machte ich wiederholt die Erfahrung, dass sich Menschen mit Demenz bei wertschätzendem Umgang mit ihnen, oftmals anders äußerten oder verhielten. Dies führte mich zur Überlegung, ob Menschen mit Demenz nicht doch mehr von ihrem veränderten Zustand spüren und erfassen, wie dies geglaubt wird und bekannt ist.

Auf der Suche nach entsprechender evidenzbasierender Literatur stieß ich auf eine Niederschrift eines Referates von Frau Prof. Dr. Engel Sabine vom 5.Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Selbsthilfe Demenz im Oktober 2008.

Ihre emotionalen Reaktionen auf dieses erleben

Laut Prof. Dr. Sabine Engel besteht der Mangel in der Forschungsliteratur daher, dass die weit verbreitete Hypothese, dass Demenzkranke unter Anosognosie leiden.  Anosognosie bedeutet, dass sie keine unbeeinträchtigte Krankheitseinsicht hätten und daher keine verlässliche Datenquelle für wissenschaftliche Untersuchungen darstellen. Je nach wissenschaftlicher Studie werden zwischen 20% und 80% aller Demenzkranken als anosognostisch eingestuft(Kessler., Supprian, T.2003).

Prof. Dr. Sabine Engel hält aus ihren Erfahrungen diesen Behauptungen folgende Argumente entgegen:

  1. Die Krankheitseinsicht ist keine Alles-oder-Nichts-Größe. Sie kann fluktuierend vorhanden sein – heute stark und morgen weniger.
  2. Die Krankheitseinsicht hängt stark vom Kontext ab, das heißt, auch von Personen, die als Kommunikationspartner dem Demenzkranken gegenüber treten.
  3. Die Krankheitseinsicht hat unterschiedliche Dimensionen, die unterschiedlich stark betroffen sein können. Betreuende Angehörige berichten, dass Demenzkranke zwar unter Umständen keine tiefgreifende intellektuelle Einsicht in ihre Demenzerkrankung haben, dennoch an sich wahrnehmen, „dass etwas nicht stimmt“ und auf diese erlebten Veränderungen emotional reagieren(Engel S. 2007)

Literaturverzeichnis

Engel S. (2006) Alzheimer und Demenz – Unterstützung für Angehörige. Stuttgart: TRIAS

Engel S. (2007) Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen. Berlin: LIT

Engel S. (2008) (in Vorbereitung) Kontrollstrategien bei demenzkranken Menschen in einer frühen Krankheitsphase. Unverstress; öffentlichte Interviewstudie am Gedächtnis-Zentrum Erlangen

Harris PB; Sterin GJ.: Insider’s Perspective: defining and Perserving the Self of Dementia. Jornal of Menthal health and Aging 1999; 5(3): 241 – 256

Kessler H, Supprian T.: Zum Problem der Krankheitseinsicht bei Patienten mit Demenz vom Alzheimer-Typ. Fortschr Neurol Psychiat 2003; 71: 541-548.

Lazarus RS, Folkmann S.: Stres, Appaisal, and Coping. New York 1984

Stechl E, Lämmler G; Steinhagen-Thiessen R; Flick U.: Subjektive Wahrnehmung und Bewältigung der Demenz im Frühstadium – SUWADEM. Z Gerontol Geriat 2007; 40: 71 – 80

Moos RH.: Coping: Konzepte und Meßverfahren. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychoanalyse 1988; 34: 207 – 225

Steman E, de Casterle‘ DB, Goderis J, Grypdonck M.: Living with early-stage dementia: a review of qualitative studies. Journal of Advenced Nursing 2006; 54: 722 – 738

Verständigung wird immer schwieriger

Abgrund zum Meer
Nähe zum Abgrund

 Zwischen Angehörigem und an Demenz Erkranktem verändert sich das Zusammenlaben sehr.
Prof. Dr. Sabine Engel ist für ihre wissenschaftliche Arbeit dieser Frage nachgegangen.

Aussagen aus Interviewstudien mit Angehörigen:
„Das ist für mich so eine Gradwanderung. Ich weiß nie, ob er nicht will, oder nicht kann.“

„ Das ist so eine Sache: Sie ist ein erwachsener Mensch, und man weiß, dass sie noch immer alles konnte. Man verstehet einfach nicht, warum das jetzt alles nicht mehr geht!“

„Vor einem Jahr begann sie uns plötzlich zu beschuldigen, wir hätten ihr etwas weggenommen, und dass die Sachen nicht mehr da sind. Es entstand eine so gereiztes Klima, das sich ein drei Viertel Jahr hielt. Wir hatten lange Zeit Konflikte. Das war, als sie so aggressiv war, weil sie ihre Sachen nicht gefunden hat, und meine Tochter beschuldigte, sie gestohlen zu haben.“

In der ersten Teilstudie dieses Forschungsprojektes wurde festgestellt, dass es zwischen Demenzkranken und den sie betreuenden und versorgenden Angehörigen aufgrund der demenzbedingten Veränderungen, zu Kommunikationsstörungen kommt. Diese gestörte Kommunikation stellt eine Ursache für eine erlebte Belastung von Angehörigen dar.
Die Ursachen werden wie folgt beschrieben:
Erstens:Dem Angehörigen gelingt es im Umgang mit dem Demenzkranken nicht mehr, die für eine gelingende Kommunikation notwendige Übernahme der Perspektive des anderen und die damit verbundene Identifikation.

Zweitens: Es kommt zu eine starken Verunsicherung des Angehörigen hinsichtlich seiner eigenen kommunikativen Rollenidentität.

Drittens: Dem Angehörigen fehlt es an Wissen um den „richtigen“ kommunikativen Umgang mit dem kranken Kommunikationspartner.

Durch diese empirische Forschung wurde es möglich, die belastungsverursachenden Kommunikationsstörungen zu analysieren und detailliert zu beschreiben.

Literatur:

“Belastungserleben bei Angehörigen Demenzkranker aufgrund von Kommunikationsstörungen” von Prof. Dr. Sabine Engel(2007)

 

 

 

Ist Demenz die „Pest“ des 21.Jahrhunderts?

Aussagen von Politikern und Berichten in Zeitungen werden Schlagzeilen in dieser Art verwendet. Die Diagnose Demenz löst Schrecken aus und es tauchen viele Fragen auf. Dies ist eine Realität.

Auf der anderen Seite werden Bücher von Menschen geschrieben, welche einen ihrer Angehörigen begleitet und gepflegt haben, in denen sie ihre Erfahrungen verarbeiten. Diese Bücher zeigen eine andere Seite ihrer an Demenz erkrankten Angehörigen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Betreuung und Pflege eines Menschen mit Demenz eine Beziehung zum Partner, den Kindern und der Umwelt nicht einfach ist. Aus eigener Erfahrung und aus Erfahrungen von Menschen, welche Menschen mit Demenz begleiten, möchte ich eine andere Seite von Menschen mit Demenz aufzeigen.

Menschen mit Demenz sind unglaublich ehrlich in ihren Aussagen und Reaktionen. Sie reagieren auf den aktuellen Moment mit ihren unmittelbaren Emotionen. Wer sich darauf einlassen kann, wird seine Angehörigen „neu“ kennenlernen. Davon berichten ebenfalls pflegende Angehörige.

Wer bereit ist, sich mit professioneller Hilfe auf eine Veränderung der Beziehungen einzulassen, wird daran wachsen können. Viele werden sagen oder sich denken: das kann ich mir nicht vorstellen! Das ist mir zu romantisch!

Aus einem Rückblick auf meine eigenen Erfahrungen und Berichten von pflegenden Angehörigen, verstehe ich diese Einwände. Heute gib es Berichte, welche inzwischen wissenschaftlich belegt wurden.

BUCHEMPFEHLUNGEN von einer Literaturwissenschaftlerin:

Der alte König in seinem Exil Roman Arno Geiger                          Die Lichter auf der Brücke eine sinkenden Schiffs Roman Michael Igatieff                             Was machen wir mit MAMA? Roman autobiografisch Helma Blank

http://Impulsreferat von Ulla Kriebernegg, Mag.Dr., carecamp demenz 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Demenz verändert tiefgreifend

ausgetrocknetes Flußbett twischen Bäumen
Flussbett
ausgetrocknetes Flußbett twischen Bäumen
ausgetrocknet

Viele chronische Erkrankungen

verändern die Beziehung zu nahe stehenden Menschen,

wie auch zum Partner.

DEMENZ VERÄNDERT SIE BESONDERS TIEF

 

Menschen mit Demenz gehen im Verlauf ihrer Erkrankung viele Fähigkeiten und Eigenschaften verloren. Der vertraute Mensch, den man als Partner, Vater oder …. gekannt hat, wird plötzlich fremd. Für Angehörige ist es schwer sich mit dieser neuen Situation zurecht zu finden.
Angehörige erleben die Veränderungen des Demenzkranken als selbstbezogen und egoistisch, da er immer weniger Interesse für andere zeigt. Diese wachsende Anteilnahmslosigkeit des an Demenz Erkrankten ist für Angehörige sehr kränkend. Der Verlust der Empathie ist eine Folge der fortschreitenden Demenz.
Viele Demenzkranke Menschen können sich nicht mehr so akzeptieren wie sie sind, weil sie sich für ihre Defizite schämen. Diese Scham ist insofern nachvollziehbar, als in unserer Kultur Wissen, Intelligenz und geistige Leistungsfähigkeiten einen hohen Stellenwert haben. Über diese geistigen Leistungen definieren wir uns und unseren Wert. Wie verständlich wird es daher, dass ein Mensch mit Demenz anfänglich versucht seine Defizite zu verbergen. Er kann sich diese sich selber und anderen nicht eingestehen.
Das Leugnen der eignen Unfähigkeiten kann zu massiven Problemen in der Kommunikation führen. Obwohl der Kranke versucht sein normales Leben weiterzuführen, dabei seine Beeinträchtigungen zu verbergen versucht, bemerken nahestehende Menschen seine Probleme im alltäglichen Leben dennoch. Wenn sie ihn darauf ansprechen führt das nicht selten zu heftigen Gefühlsreaktionen wie Wut, Aggression, Reizbarkeit, Depression, Unkooperativität oder Rückzug.
In einem späteren Stadium der Erkrankung ist es immer weniger möglich, Einsicht in die eigene Krankheit, die eigenen Schwächen und Störungen zu haben. Sie nehmen ihre Unfähigkeiten als solche nicht mehr wahr. Werden ihre Wahrnehmungen durch andere Menschen immer wieder in Frage gestellt, löst dies beim Erkrankten Misstrauen und Argwohn aus.
Auch den Angehörigen fällt es immer wieder schwer, den anderen mit all seinen Krankheitssymptomen zu akzeptieren.

Literatur: “Alzheimer und Demenz” Prof. Dr. Sabine Engel(2006)TRIAS

Bekommt mein(e) Angehörige(r) überhaupt noch etwas mit?

Teich mit Seerosen
Foto: Theresia Schachinger

Häufig stellen Pflegende und Angehörige von Menschen mit Demenz diese Frage

Ergebnisse neuerer Forschungen zum „Selbsterleben des Kranken“ haben ergeben, dass die Betroffenen in frühen Phasen der Erkrankung häufig Veränderungen an sich wahrnehmen. Sie entwickeln Ängste hinsichtlich ihrer Zukunft. Auch Menschen mit fortgeschrittener Demenzerkrankung haben Ängste, wie es in Zukunft mit ihnen wohl weitergehen wird.

Die Krankheitseinsicht der Betroffenen ist wechselhaft – einmal stärker, einmal schwächer. Jedoch benötigen sie Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Erkrankung. Eine Unterstützung Demenzkranker zur Bewältigung ihrer Erkrankung ist nicht einfach.

Neuere Forschungen, die von einem differenzierten Verständnis von „Krankheitseinsicht bei Demenz“ ausgehen, kommen zu der Erkenntnis, dass die meisten Menschen mit Demenz eine gewisse Krankheitseinsicht haben. Diese merken, dass bestimmte geistige Fähigkeiten abgenommen haben.

Als Außenstehende(r) können wir niemals mit Gewissheit sagen, ob die Betroffenen ihre Einbußen tatsächlich nicht mit dem Maße wahrnehmen, wie ihre Angehörigen oder ob sie ihre Krankheit wahrnehmen, jedoch nicht eingestehen.

Erfahrung aus der Praxis mit wertschätzender Kommunikation mit Menschen mit Demenz, haben mich oft staunen lassen, wenn diese mir in einem Gespräch gesagt haben:

* Die da (gemeint waren Pflegende) meinen, ich weiß nicht, dass sie sich über mich lustig machen. Das ärgert mich.

* Als Rückmeldung von Pflegenden, nach einem Gespräch mit einem Demenzkranken, wurde mir gesagt, dass sie die oder den schon lange nicht mehr so viel reden gehört haben. (Das Gesagte des demenzkranken Menschen war nicht vollständig zu verstehen, da bereits ein starker Sprachzerfall vorhanden war).

Krankheitseinsichten sind unterschiedlich und schwankend – heute wenig, morgen viel.

Eine akzeptierende soziale Umwelt in der die demenzbedingten Beein-trächtigungen zwar bekannt sind, jedoch nicht im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, sondern noch vorhandenen Fähigkeiten hervorgehoben werden, fördert eine realistischere Eigenwahrnehmung des Menschen mit Demenz.

Literatur:

Mit Auszügen aus “Alzheimer und Demenz”

Prof.Dr.Sabine Engel(2006)TRIAS

 

 

 

 

WAS IST DEMENZ?

WAS IST DEMENZ?

Ein Mensch mit Demenz leidet unter einer Krankheit, in deren Verlauf seine geistigen Fähigkeiten verschwinden. Eine Demenz greift nicht nur in den Bereich der geistigen Leistungsfähigkeiten ein, sondern auch in alle Bereiche des Menschseins.

DEFINITION der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Demenz

Ein Mensch leidet unter Demenz, wenn folgende Aussagen auf ihn zutreffen:

  • Er hat Gedächtnisstörungen, d.h. es zeigen sich einerseits Beeinträchtigungen seiner Fähigkeiten, sich Neues zu merken, andererseits vergisst er Dinge, die er schon wusste.
  • Einbußen können sich auch im Bereich seiner Sprachfähigkeiten bemerkbar machen, d.h. er kann Schwierigkeiten haben, Objekte und Dinge zu benennen, und Probleme beim Verstehen von gesprochener und geschriebener Sprache haben.
  • Auch beim Ausführen von Handlungen (z.B. beim Zähne putzen oder Anziehen) können sich Beeinträchtigungenzeigen, weil die Fähigkeit, Einzelhandlungen zu komplizierten Handlungsmustern zusammenzusetzen, gestört ist.
  • Probleme können auch beim Erkennen von Objekten auftreten, d.h. der Betroffene kann ihm eigentlich bekannte Gegenstände nicht erkennen (z.B. das Essbesteck, das vor ihm auf dem Tisch liegt).
  • Er hat möglicherweise Orientierungsprobleme (er findet beispielsweise den Weg nach Hause nicht mehr) und Beeinträchtigungen der Urteilsfähigkeit.
  • Alle auftretenden Störungen verschlechtern sich schon seit einem Zeitraum von mindestens 6 Monaten und sind bereits so stark, dass sie die Alltagsaktivitäten des Betroffenen beeinträchtigen.

Jedoch ist Demenz nicht gleich Demenz. Sie zeigt sich in verschiedenen Formen und hat verschiedenen Ursachen. Manchmal liegt der Grund für Gedächtnis-, Sprach- und Orientierungsschwierigkeiten darin, dass die Hirnsubstanz selbst zerstört wird. Jedoch auch Erkrankungen anderer Organe können diese Symptome verursachen.

Literatur:

“Alzheimer und Demenz” Prof.Dr.Sabine Engel(2006)TRIAS

Edukation demenz – Kursprogramm Prof.Dr.Sabine Engel(2016)c